Das Königreich Andergast PDF Drucken E-Mail
Das Schwarze Auge - Hintergrund

Übersicht

Andergast ist ein kleines Königreich quasi mitten in der Wildnis. Seit über 1800 Jahren überlebt dieses kleine, trutzige Volk dort die immer stetigen Bedrohungen durch Orks, die Nostrianer, die äusserst unzähmbare Natur und nicht zuletzt teilweise sehr mächtige, mystische Wesen. Hier hat sich eine Bevölkerung gebildet, die genauso traditionsbewusst wie abergläubisch ist. In Andergast herrscht ein Patriarchat, dies heisst aber nicht, dass eine Frau hier wie Vieh behandelt wird (wie bei den Orks). Nein der/die Andergaster/in sieht es halt als die gewollte Ordnung, dass der Mann die Felder bestellt während die Frau das Haus bewirtschaftet. Vor allem im Adel herrscht aber der Edelmannestil, insbesondere im Form des Minnesanges um Frauen zu werben und ihr Herz zu erobern. “Frau” soll nicht sagen, dass ein Andergaster seine Frau schlecht behandelt und nicht romantisch sein könnte.

In Andergast wird eine eigene Zeitrechnung benutzt, man rechnet Jahren der Unabhängigkeit (d.U.), das Jahr 1847 d.U. = 1 n.H. = 993 n.BF.

In Andergast existieren einige rechtliche Besonderheiten bzw. fehlen einige anderswo vertraute Gesetze. Andergast hat weder Tralloper Vertrag (rechtliche Sonderstellung der Elfen), Lex Zwergia (Entsprechendes für die Zwerge), noch Silem Horas Edikt (Festschreiben des 12-Götter-Glaubens als Staatsreligion) jemals anerkannt. Auch das Garether Pamphlet (Ausschluß Magiebegabter von der Regierungsmacht) ist unbekannt. So gibt es magiebegabte Adlige, Elfen die wegen Wilderei erhängt oder geblendet werden, zum Ausgleich keine existente Rahjakirche und vielerlei Dinge mehr.

Ein weiterer Punkt ist die andergastische “Aussenpolitik”. Auch wenn mit Nostria momentan ein Frieden herrscht, lassen sich einige Kleinadelige nicht davon abhalten, ab und zu in bester Raubrittermanier ein nostrisches Dorf zu überfallen, ausräumen und niederbrennen.

In Andergast existiert noch ein weiteres aussenpolitisches Kuriosum: man kann sich als einziger menschlicher Staat rühmen, mit den Orks eine Allianz zu haben. Diese Allianz beruht zwar eher auf dem Tausch “Andergaster Kupfer gegen keine Überfälle”, aber dieser Freundschaftsvertrag wird bis auf wenige marodierende Orkbanden - und deren Verfolgung und Bestrafung - auch eingehalten. Auch wenn dies von Ausländern als Knebelvertrag im Stile einer “Schutzgelderpressung durch die Orks” angesehen und belächelt wird, ist es dennoch ein ernstzunehmender Vertrag. Die Andergaster wissen, wie man mit Orks umgehen muss: man tritt ihnen stark gegenüber und zeigt keine Schwäche. Der Andergaster akzeptiert die orkische Kriegskultur, im Gegensatz zum Mittelreicher, der den Ork wie ein “Viech” sieht - und das ist der wahre Grund warum seit ewigen Zeiten Frieden ist. Vor allem im Norden Andergasts ist übrigens eine Kupfermünze manchmal wertvoller als ein Silberstück oder ein Golddukat, weil man Kupfermünzen bei Orks eintauschen kann!


Um den genannten Orkbanden wiederum Einhalt zu gebieten, unterhält Andergast Grenzgänger, die in der Wildnis über die Grenzen wachen und meist alleine in ihren Berghütten hausen (aber auch die Grenzposten an den Strassen leiten). Diesen Grenzgängern ist auch die Erfindung des überlangen Andergasters zu verdanken, um eine Waffe zur Verfügung zu haben, die alleine auch mehrere Gegner in Schach zu halten vermag. Der Nachteil des Platzmagels bei dieser Waffe ist in den nordischen Steppen des Orklandes eher irrelevant.

Über den Adel

Andergast ist nach einem Zweischichtsystem aufgebaut. Über allem steht der König, der das Reich führt und zusammenhält. Darunter führen die Freiherren ihr Freiherrschaften nach einem einfachen Prinzip: Der Adel hat Recht. Er ist Exekutive, Legislative und Judikative in einer Person. Er schützt sein ihm untergebenes Volk und sein Volk gehorcht ihm. Der Freiherr ist die mächtigste Person vor Ort, über ihm kommt nur der König - und selbiger ist weit weg. So regieren die Freiherren sehr autonom und reagieren sehr empfindlich, wenn man ihnen ins Handwerk pfuscht. Magiebegabte Adelige kommen in Andergast durchaus vor, allerdings sind diese Adligen meist druidisch ausgebildet, da man zwar gildenmagisch in Andergaststadt ausgebildet werden könnte, aber die Akademie beim Kleinadel auch schon mal besser angesehen war und die Vorschriften der Grauen Gilde ein Adelsamt verbieten.

Über den andergastischen Glauben

Wie schon mehrfach erwähnt handelt es sich bei der Aussage, Andergast sei zwölfgöttergläubig um eine Vereinfachung. Es ist so, dass in den stark kolonisierten Gebieten (entlang der grossen Strassen und in den Bevölkerungszentren) der Zwölfgötterglaube am verbreitetsten ist, aber dennoch ist mit dem Druidenkult eine weitere grosse, wenn sich sogar grössere Religion zu nennen. Vor allem in den naturnahen Bereichen (und die sind Andergast bekanntermassen nicht gerade klein) herrscht diese auf Leben und Vergehen basierende und vollkommen andersgeartete Religion vor.


Die Druiden Andergasts, Sumen genannt, treten in ihrer Heimat öffentlich auf und werden als “Weise” oder “Weise des Waldes” betrachtet, sie sprechen mit den Ahnen, weisen die Zukunft und vieles mehr. Die Druiden überliefern ihr Wissen von Generation zu Generation, so dass sie auch die Geschichte des andergaster Volkes erzählen. Ihr Wort ist viel wert, so dass auch der Kleinadel auf sie hört. Jährlich gibt es zur Sommersonnenwende und Wintersonnenwende ein grosses Treffen der andergaster Druiden an wechselnden heiligen Orten, wo sie über die Zukunft des Landes orakeln und beraten.


Das Druidentum hat übrigens keine grösseren Probleme mit dem Kult der Zwölfe, da es alle “Kinder Sumus” sind, nur auf gewisse “praiosgläubige” Fanatiker reagiert man eher allergisch. Welche Religion nun mehr Anhänger hat, Zwölfgöttertum oder Druidentum, ist unbekannt, da das Druidentum in der Fläche verbreiteter ist, während die Zwölfe in den Zentren vorherrschen. Häufig werden die Zwölfe als die Kinder Sumus verehrt, so dass die Grenzen verwischen. Oft gilt auch das Prinzip “Cuius regio, eius religio”, was soviel heisst wie dass das das Volk an das glaubt, an was der (Frei)Herr glaubt. Allerdings wird in Andergast nicht zu allen Zwölf gebetet. Der Rahjaglauben ist seit dem Jahre 987 d.U (860 v.H.) verboten. Damals kam es während einer Schlacht zwischen Nostria und Andergast zu einem Rahjawunder, wobei beide Heere sich in Harmonie verbrüderten und ein riesiges Fest feierten, anstatt sich zu erschlagen. Dies führte dazu, dass Andergast seine Invasion abbrach und man Rahja im nachhinein als “nostrische falsche Schlange die unseren Sieg zerstörte” verbot. Einzig in Teschkal steht ein Tempel der Rahja, der auch genutzt wird – allerdings wird die schöne Göttin hier eher als Patronin der Pferdezucht gesehen und nicht als Liebesgöttin.

Die anderen Glauben sind mehr oder minder stark vertreten oder werden in anderer Form verehrt. Praios, Rondra und Firun sind beim Adel angesehen (sofern der nicht dem Druidentum anhängt), Peraine und Travia beim einfachen Volk. Der grösste Volksglaube liegt aufgrund der Sehnsucht der Bevölkerung nach Frieden eher bei Tsa, die als Fruchtbarkeits und Liebesgöttin nebenbei noch Rahjas Aufgaben erfüllt, sofern Sumu nicht diese Position übernimmt. Traditionell wenig Verehrung findet Efferd, da er einerseits als nostrische Gottheit gesehen wird und anderseits hat man als Naturgottheit ja schon Sumu. Hesinde steht in Andergast nicht für Bildung, sondern eher für die Künste wie den schönen Minnesang. Boron wird als Gott des Todes und Henker eher gemieden und gefürchtet (da hält man mehr vom druidischen Lebenskreislauf das Erschaffen aus Mutter Sumu und wieder darin Vergehen). Ingerimm und Phex finden nur Verehrung bei ihren jeweils zugehörigen Berufen.

 

Über das Recht

Das tragen von “Waffen vom Stande” ist nur Privilegierten erlaubt. Was dies nun bedeutet, ist dem örtlichen Adligen/Büttel überlassen, sprich wenn er einen guten Tag hat, ist er toleranter, als wenn ihm das Gesicht des Streuners nicht gefällt (Da die Thorwaler übrigens die Nostrianer auch nicht mögen ist man da eine ganze Ecke toleranter). Zur groben Einschätzung, wo in etwa der Standard liegt: das klassische Langschwert oder ein Kriegsbeil wird als “Waffe vom Stande” angesehen. Sämtliche Zweihandwaffen fallen ebenso in diese Kategorie. (Eine Grobe Näherung wäre: alle Waffen mit 1W+4 oder mehr TP sind vom Stande). Eine Frau darf keine schweren Waffen führen (wobei explizit Waffen gemeint, sind, kein Werkzeug, daß sich als Waffe nutzen ließe). Mehr dazu weiter unten. Die allgemeine Bestrafung für das Tragen von Waffen von Stand ist das Abschlagen der Waffenhand, was beim unerlaubtem Tragen von Zweihandwaffen passiert dürfte somit auch klar sein.....

Frauen haben in Andergast einiges zusätzlich zu beachten: sie dürfen wie gesagt keine schweren Waffen führen, einen Dolch dagegen sollten sie unbedingt offen tragen. Andernfalls würden sie für Huren oder ähnliches gehalten, da sie ja darauf verzichten, das Symbol dafür, daß sie ihre Unschuld zu verteidigen gedenken, zu tragen. Das kann sich im Ansprechen durch zahnlose Greise äußern, in einigen seltenen Fällen aber auch in handfesteren Annäherungsversuchen. Außerdem sollten Frauen lange Röcke oder Kleider tragen (natürlich nicht geschlitzt!), da dies hierzulande üblich ist und alles andere nur bei berufsmäßigen Reiterinnen (und davon gibt es hier wenige) akzeptiert wird. Auf die Unschuld der Frau legt man (vor allem Mann) in Andergast in der vorehelichen Zeit viel Wert! Frau und Mann haben bis zur Ehe keusch zu leben, da dies “der Ahnen Sitte und Brauch” ist – ein Grund mehr für die dortige Jugend, sich heimlich zu treffen.

Im übrigen: “Es ist darob die Pflicht und das Recht eines jeden Andergasters, einen Nostrianer, wo er ihn trifft, zu töten!” Naja, also Nostrianer sollten nicht zu laut sagen, wo sie herkommen... und wie viele sind schon zu Nostrianern erklärt worden, weil jemandem diese “herumlungernde Volk” nicht gefiel. Also Vorsicht da draussen, man ist immer wieder erstaunt, wo der Mob so schnell Mistgabel und Fackeln herkriegt.

 

Quelle: Das Königreich Andergast

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